Zweiten Handwerksbetrieb gründen: Das sollten Sie beachten, bevor Sie expandieren
Die Idee, einen zweiten oder sogar dritten Handwerksbetrieb zu eröffnen, klingt für viele Unternehmer zunächst reizvoll. Mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Marktanteile – doch ist eine Expansion immer sinnvoll? In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, worauf Sie unbedingt achten sollten, bevor Sie diesen Schritt gehen.
Warum überhaupt einen zweiten Betrieb gründen?
Viele Handwerksbetriebe sind erfolgreich in ihrer Nische tätig. Es scheint naheliegend, weitere Geschäftsfelder zu erschließen oder einen neuen Standort aufzubauen. Doch Expansion um jeden Preis kann riskant sein – vor allem dann, wenn sie aus einer Reaktion auf Probleme erfolgt, statt aus einer stabilen Position heraus.
Tipp: Eine zweite Betriebsgründung sollte niemals die Lösung für ein nicht funktionierendes Erstgeschäft sein. Vielmehr sollte sie der nächste logische Schritt sein, wenn Sie ein funktionierendes Geschäftsmodell skalieren möchten.
Der größte Fehler: Auf mehreren Hochzeiten tanzen
Wenn Ihr aktueller Betrieb noch stark von Ihrer persönlichen Arbeitskraft abhängig ist, ist es definitiv zu früh für eine Expansion. Die wichtigste Voraussetzung für einen weiteren Standort ist, dass Ihr bestehender Betrieb weitestgehend ohne Ihre direkte Mitwirkung funktioniert. Nur so können Sie sich strategisch auf den Aufbau des neuen Unternehmens konzentrieren.
Fragen zur Selbsteinschätzung:
- Wie automatisiert laufen die Prozesse in meinem aktuellen Betrieb?
- Wie stark bin ich als Geschäftsführer in das Tagesgeschäft eingebunden?
- Habe ich ein stabiles Führungsteam?
Typische Stolperfallen bei der Expansion
Ein zweiter Betrieb bedeutet nicht nur eine Verdopplung des Erfolgs, sondern auch eine Verdopplung der Verantwortung – und der Kosten. Oft wird unterschätzt, welche Ressourcen notwendig sind:
- Mitarbeiter: Neue Montageteams, Büropersonal, ggf. Führungskräfte.
- Standort: Mietkosten, Einrichtung, Logistik.
- Marketing: Ihr guter Ruf am ersten Standort überträgt sich nicht automatisch auf neue Regionen.
- Einkauf: Höhere Mengen bedeuten nicht automatisch effizientere Beschaffung – vor allem, wenn Material nicht abgesetzt werden kann.
- Zeit: Als Geschäftsführer müssen Sie in der Lage sein, Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Systeme zu verteilen – oder das erste vollständig delegieren.
Was macht eine zweite Betriebsgründung sinnvoll?
Es gibt durchaus Szenarien, in denen ein weiterer Standort oder eine zusätzliche Firma strategisch klug sein kann:
- Sie möchten ein erfolgreiches Produkt- oder Dienstleistungsangebot in eine neue Region bringen.
- Sie haben eine klare Zielgruppe und Marktkenntnis in der neuen Region.
- Ihr Team am ersten Standort arbeitet weitgehend autark.
- Sie haben klare Strukturen, Prozesse und Systeme, die leicht übertragbar sind.
- Die neue Geschäftseinheit bleibt nah an Ihrer bestehenden Kernkompetenz.
Praxistipp: Bleiben Sie nah an Ihrer Nische
Viele Handwerker überlegen, mit ganz neuen Angeboten zu starten (z. B. Fenster → Photovoltaik). Oft ist es aber sinnvoller, das bestehende Kerngeschäft zu vertiefen, z. B. durch angrenzende Produkte oder Dienstleistungen. Bleiben Sie beim, was Sie können – das senkt das Risiko und erhöht die Synergien.
Regionaler Neustart ≠ Bekanntheit
Ein weiterer häufiger Trugschluss: "Unser Name ist doch bekannt." Das mag in Ihrer Region stimmen, gilt aber nicht automatisch für neue Märkte. Investieren Sie bewusst in einen Markenauftritt für die neue Region – idealerweise mit einer gezielten Eröffnungskampagne oder Sonderaktionen.
Fazit: Erst stabilisieren, dann skalieren
Eine zweite Betriebsgründung kann ein kluger und lohnender Schritt sein – wenn Sie sie zum richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Vorbereitung gehen. Sorgen Sie für ein stabiles Fundament in Ihrem ersten Betrieb, automatisieren Sie Abläufe, schaffen Sie Entlastung durch Strukturen – und treffen Sie Ihre Entscheidung nicht aus kurzfristigen Marktbewegungen heraus.






