Seit Jahren heißt es, im Handwerk fehlen Fachkräfte. Für Ihren Betrieb heißt das: Aufträge liegen länger, Termine verschieben sich, und die vorhandene Mannschaft trägt die Last. Doch wie groß ist das Problem tatsächlich, wo ist es am größten, und was können Sie als Betrieb selbst tun?
Dieser Beitrag fasst die aktuellen Zahlen aus der KOFA-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und einer Einschätzung des ZDH zusammen, ordnet die Ursachen ein und zeigt Maßnahmen, die im Betrieb umsetzbar sind.
Kurz gesagt: Laut KOFA konnten 2025 knapp 100.000 offene Stellen im Handwerk rechnerisch nicht besetzt werden. Die Lücke ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent gesunken, aber weiterhin groß, vor allem bei Gesellen und in Berufen wie Bauelektrik, Sanitär, Heizung und Klima sowie Dachdeckerei. Der Mangel ist nicht allein ein Imageproblem. Mit dem Rechner weiter unten sehen Sie, was eine unbesetzte Stelle Ihren Betrieb kostet.
Fachkräftemangel im Handwerk: die Zahlen
Der ZDH ging im November 2025 von rund 200.000 offenen Stellen im Gesamthandwerk aus. Genauer beziffert die KOFA-Studie (Stand Juni 2026) die Lage für 2025: Im Jahresdurchschnitt gab es knapp 210.000 offene Stellen in Handwerksberufen und rund 140.000 arbeitslose Handwerker. Die Fachkräftelücke, also die rechnerisch nicht besetzbaren Stellen, lag bei knapp 100.000 (97.482). Das ist ein Rückgang um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Fachkräftelücke im Handwerk 2025 nach Qualifikation
Rechnerisch nicht besetzbare offene Stellen, Jahresdurchschnitt
Fortbildungsabsolventen
10.319
Quelle: KOFA Kompakt 07/2026 (Institut der deutschen Wirtschaft), Stand 06/2026. Gesamt: 97.482 Stellen.
Die Lücke ist bei den Gesellen in absoluten Zahlen am größten. Gemessen am Bedarf sind die höheren Qualifikationen stärker betroffen: Laut KOFA konnten bei Gesellen rund 30 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden, bei Meistern 47,7 Prozent und bei Fortbildungsabsolventen 48,0 Prozent.
Welche Gewerke besonders betroffen sind
Laut KOFA hatten 2025 59 von 115 Handwerksberufen Engpässe, 35 davon seit mindestens zehn Jahren. In 15 Berufen fehlten mehr als 1.000 Fachkräfte.
| Gewerk | Lage laut KOFA |
|---|
| Bauelektrik | größte Lücke; steigende Bewerberzahlen und mehr Ausbildungsverträge |
| Sanitär, Heizung, Klima | unter den Berufen mit den größten Engpässen; steigende Bewerberzahlen |
| Dachdeckerei | unter den Top-Engpassberufen; steigende Bewerberzahlen |
| Hoch- und Tiefbau | unter den Top-Engpassberufen |
| Metallbau | Lücke seit 2016 um rund 50 Prozent gewachsen; Ausbildungskrise |
| Holz, Möbel, Innenausbau | Ausbildungskrise |
| Bäckerhandwerk | erste Anzeichen einer Trendwende nach starkem Einbruch |
Für Ihre Branche finden Sie weiterführende Beiträge, zum Beispiel zu Azubis im Handwerk finden.
Ursachen: Warum es so schwer ist, Fachkräfte zu finden
Die KOFA-Studie nennt mehrere Gründe. Es ist demnach nicht allein ein Imageproblem, denn in den Engpassberufen steigt die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sogar.
- Demografischer Wandel: Der demografische Wandel wirkt sich auf das Angebot an Arbeitskräften aus.
- Wachsender Bedarf: Energiewende, Klimaschutz und Infrastruktur treiben die Nachfrage nach Handwerksleistungen.
- Passungsprobleme: Unbesetzte Ausbildungsplätze und unversorgte Bewerber nahmen zuletzt gemeinsam zu. Angebot und Nachfrage treffen regional oder fachlich nicht zusammen.
- Ausbildungsmarkt: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge ging von 150.747 (2011) auf 133.197 (2025) zurück, die Zahl unbesetzter Plätze stieg von gut 5.000 auf 21.571.
- Qualifikationskette: Fehlende Gesellen verringern auch den Nachwuchs an Meistern.
Rechner: Was kostet Sie eine unbesetzte Stelle?
Tragen Sie ein, wie viele Stellen offen sind und wie lange schon. Schätzen Sie, welchen Umsatz eine besetzte Stelle pro Monat bringen würde. Der Rechner zeigt, was die Vakanz bisher gekostet hat und was jeder weitere Monat kostet.
Vakanz-Rechner: Was kostet eine unbesetzte Stelle?
Ergebnis
Entgangener Umsatz pro Monat-
Entgangener Umsatz bisher-
Entgangener Gewinn bisher (bei Marge)-
-
entgangener Umsatz pro Jahr bei gleichbleibender Vakanz
Das ist eine einfache Rechenhilfe. Ob die Arbeit tatsächlich liegen bleibt oder durch Überstunden und Subunternehmer aufgefangen wird, hängt von Ihrem Betrieb ab. Der Umsatz pro Stelle ist Ihre Schätzung, der voreingestellte Wert ist nur ein Beispiel.
Was Betriebe tun können
Die KOFA-Studie empfiehlt Betrieben, auf Ausbildungsmarketing, bessere Begleitung der Azubis, neue Zielgruppen und Weiterbildung zu setzen. Die Spalte rechts zeigt, wo Sie bei uns mehr dazu finden.
| Maßnahme laut KOFA | Was das für Ihren Betrieb heißt | Mehr dazu |
|---|
| Ausbildungsmarketing mit gezielter Ansprache | Azubis dort erreichen, wo sie unterwegs sind | Azubis im Handwerk finden |
| Berufsorientierung nutzen | mit Schulen und Praktika früh Kontakt aufbauen | Anfrage bei Schulen und Kammern vor Ort |
| Azubis besser begleiten | Abbrüche vermeiden, feste Ansprechperson benennen | Eigene Betreuung im Betrieb |
| Neue Zielgruppen gewinnen | Frauen, Studienabbrecher, Quereinsteiger, Beschäftigte aus dem Ausland ansprechen | Neue Mitarbeiter finden |
| Weiterbildung zur Bindung | Entwicklungswege zeigen, damit Mitarbeiter bleiben | Eigene Personalentwicklung |
| Sichtbar werden, wo Bewerber suchen | Anzeigen und Social Media statt nur Jobportale | Social Recruiting im Handwerk |
Was Sie als Erstes tun können
- Bedarf klären: Welche Stellen sind wirklich nötig, welche lassen sich durch Quereinsteiger oder Teilzeit besetzen?
- Stellenanzeige prüfen: Nennt sie Aufgaben, Team, Arbeitszeiten und einen Ansprechpartner?
- Kanäle prüfen: Wo suchen Ihre Wunschkandidaten, und sind Sie dort sichtbar? Warum Jobportale allein oft nicht reichen, erklärt der Beitrag Warum Jobportale kaum funktionieren.
- Schnell antworten: Melden Sie sich bei Bewerbern innerhalb von ein bis zwei Tagen. Das ist eine Empfehlung aus der Praxis, keine Studienzahl.
- Bestehende Mitarbeiter halten: Bindung ist günstiger als Neubesetzung.
Fazit: Die Lücke bleibt, aber Sie können sie für sich verkleinern
Der Fachkräftemangel ist im Handwerk real, auch wenn die Lücke 2025 etwas kleiner war als im Vorjahr. Betriebe, die früh Azubis gewinnen, neue Zielgruppen ansprechen und Mitarbeiter halten, sind im Vorteil. Beginnen Sie mit einer klaren Stellenanzeige und den Kanälen, auf denen Ihre Bewerber tatsächlich unterwegs sind.
Weiterführende Beiträge: Social Recruiting im Handwerk, Neue Mitarbeiter aus dem Handwerk finden und Azubis im Handwerk finden. Mehr zum Thema gibt es in der Kategorie Personal.