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October 26, 2026

Fachkräftemangel im Handwerk: Zahlen, Ursachen und was Betriebe tun können

Wie groß ist der Fachkräftemangel im Handwerk wirklich? Aktuelle Zahlen von KOFA und ZDH, betroffene Gewerke, Ursachen, ein Vakanz-Rechner und Maßnahmen für Betriebe.

Porträtfoto von Alexander Thieme, A&M Unternehmerberatung
Alexander Thieme
Hände bearbeiten in einer Holzwerkstatt ein Werkstück mit einer Raspel

Seit Jahren heißt es, im Handwerk fehlen Fachkräfte. Für Ihren Betrieb heißt das: Aufträge liegen länger, Termine verschieben sich, und die vorhandene Mannschaft trägt die Last. Doch wie groß ist das Problem tatsächlich, wo ist es am größten, und was können Sie als Betrieb selbst tun?

Dieser Beitrag fasst die aktuellen Zahlen aus der KOFA-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und einer Einschätzung des ZDH zusammen, ordnet die Ursachen ein und zeigt Maßnahmen, die im Betrieb umsetzbar sind.

Kurz gesagt: Laut KOFA konnten 2025 knapp 100.000 offene Stellen im Handwerk rechnerisch nicht besetzt werden. Die Lücke ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent gesunken, aber weiterhin groß, vor allem bei Gesellen und in Berufen wie Bauelektrik, Sanitär, Heizung und Klima sowie Dachdeckerei. Der Mangel ist nicht allein ein Imageproblem. Mit dem Rechner weiter unten sehen Sie, was eine unbesetzte Stelle Ihren Betrieb kostet.

Fachkräftemangel im Handwerk: die Zahlen

Der ZDH ging im November 2025 von rund 200.000 offenen Stellen im Gesamthandwerk aus. Genauer beziffert die KOFA-Studie (Stand Juni 2026) die Lage für 2025: Im Jahresdurchschnitt gab es knapp 210.000 offene Stellen in Handwerksberufen und rund 140.000 arbeitslose Handwerker. Die Fachkräftelücke, also die rechnerisch nicht besetzbaren Stellen, lag bei knapp 100.000 (97.482). Das ist ein Rückgang um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fachkräftelücke im Handwerk 2025 nach Qualifikation
Rechnerisch nicht besetzbare offene Stellen, Jahresdurchschnitt
Gesellen
78.869
Meister
8.150
Fortbildungsabsolventen
10.319
Quelle: KOFA Kompakt 07/2026 (Institut der deutschen Wirtschaft), Stand 06/2026. Gesamt: 97.482 Stellen.

Die Lücke ist bei den Gesellen in absoluten Zahlen am größten. Gemessen am Bedarf sind die höheren Qualifikationen stärker betroffen: Laut KOFA konnten bei Gesellen rund 30 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt werden, bei Meistern 47,7 Prozent und bei Fortbildungsabsolventen 48,0 Prozent.

Welche Gewerke besonders betroffen sind

Laut KOFA hatten 2025 59 von 115 Handwerksberufen Engpässe, 35 davon seit mindestens zehn Jahren. In 15 Berufen fehlten mehr als 1.000 Fachkräfte.

GewerkLage laut KOFA
Bauelektrikgrößte Lücke; steigende Bewerberzahlen und mehr Ausbildungsverträge
Sanitär, Heizung, Klimaunter den Berufen mit den größten Engpässen; steigende Bewerberzahlen
Dachdeckereiunter den Top-Engpassberufen; steigende Bewerberzahlen
Hoch- und Tiefbauunter den Top-Engpassberufen
MetallbauLücke seit 2016 um rund 50 Prozent gewachsen; Ausbildungskrise
Holz, Möbel, InnenausbauAusbildungskrise
Bäckerhandwerkerste Anzeichen einer Trendwende nach starkem Einbruch

Für Ihre Branche finden Sie weiterführende Beiträge, zum Beispiel zu Azubis im Handwerk finden.

Ursachen: Warum es so schwer ist, Fachkräfte zu finden

Die KOFA-Studie nennt mehrere Gründe. Es ist demnach nicht allein ein Imageproblem, denn in den Engpassberufen steigt die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sogar.

  • Demografischer Wandel: Der demografische Wandel wirkt sich auf das Angebot an Arbeitskräften aus.
  • Wachsender Bedarf: Energiewende, Klimaschutz und Infrastruktur treiben die Nachfrage nach Handwerksleistungen.
  • Passungsprobleme: Unbesetzte Ausbildungsplätze und unversorgte Bewerber nahmen zuletzt gemeinsam zu. Angebot und Nachfrage treffen regional oder fachlich nicht zusammen.
  • Ausbildungsmarkt: Die Zahl neuer Ausbildungsverträge ging von 150.747 (2011) auf 133.197 (2025) zurück, die Zahl unbesetzter Plätze stieg von gut 5.000 auf 21.571.
  • Qualifikationskette: Fehlende Gesellen verringern auch den Nachwuchs an Meistern.

Rechner: Was kostet Sie eine unbesetzte Stelle?

Tragen Sie ein, wie viele Stellen offen sind und wie lange schon. Schätzen Sie, welchen Umsatz eine besetzte Stelle pro Monat bringen würde. Der Rechner zeigt, was die Vakanz bisher gekostet hat und was jeder weitere Monat kostet.

Vakanz-Rechner: Was kostet eine unbesetzte Stelle?

Ihre Zahlen

Ihre Einschätzung

Ergebnis

Entgangener Umsatz pro Monat-
Entgangener Umsatz bisher-
Entgangener Gewinn bisher (bei Marge)-
-
entgangener Umsatz pro Jahr bei gleichbleibender Vakanz
Das ist eine einfache Rechenhilfe. Ob die Arbeit tatsächlich liegen bleibt oder durch Überstunden und Subunternehmer aufgefangen wird, hängt von Ihrem Betrieb ab. Der Umsatz pro Stelle ist Ihre Schätzung, der voreingestellte Wert ist nur ein Beispiel.

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Was Betriebe tun können

Die KOFA-Studie empfiehlt Betrieben, auf Ausbildungsmarketing, bessere Begleitung der Azubis, neue Zielgruppen und Weiterbildung zu setzen. Die Spalte rechts zeigt, wo Sie bei uns mehr dazu finden.

Maßnahme laut KOFAWas das für Ihren Betrieb heißtMehr dazu
Ausbildungsmarketing mit gezielter AnspracheAzubis dort erreichen, wo sie unterwegs sindAzubis im Handwerk finden
Berufsorientierung nutzenmit Schulen und Praktika früh Kontakt aufbauenAnfrage bei Schulen und Kammern vor Ort
Azubis besser begleitenAbbrüche vermeiden, feste Ansprechperson benennenEigene Betreuung im Betrieb
Neue Zielgruppen gewinnenFrauen, Studienabbrecher, Quereinsteiger, Beschäftigte aus dem Ausland ansprechenNeue Mitarbeiter finden
Weiterbildung zur BindungEntwicklungswege zeigen, damit Mitarbeiter bleibenEigene Personalentwicklung
Sichtbar werden, wo Bewerber suchenAnzeigen und Social Media statt nur JobportaleSocial Recruiting im Handwerk

Was Sie als Erstes tun können

  1. Bedarf klären: Welche Stellen sind wirklich nötig, welche lassen sich durch Quereinsteiger oder Teilzeit besetzen?
  2. Stellenanzeige prüfen: Nennt sie Aufgaben, Team, Arbeitszeiten und einen Ansprechpartner?
  3. Kanäle prüfen: Wo suchen Ihre Wunschkandidaten, und sind Sie dort sichtbar? Warum Jobportale allein oft nicht reichen, erklärt der Beitrag Warum Jobportale kaum funktionieren.
  4. Schnell antworten: Melden Sie sich bei Bewerbern innerhalb von ein bis zwei Tagen. Das ist eine Empfehlung aus der Praxis, keine Studienzahl.
  5. Bestehende Mitarbeiter halten: Bindung ist günstiger als Neubesetzung.

Fazit: Die Lücke bleibt, aber Sie können sie für sich verkleinern

Der Fachkräftemangel ist im Handwerk real, auch wenn die Lücke 2025 etwas kleiner war als im Vorjahr. Betriebe, die früh Azubis gewinnen, neue Zielgruppen ansprechen und Mitarbeiter halten, sind im Vorteil. Beginnen Sie mit einer klaren Stellenanzeige und den Kanälen, auf denen Ihre Bewerber tatsächlich unterwegs sind.

Weiterführende Beiträge: Social Recruiting im Handwerk, Neue Mitarbeiter aus dem Handwerk finden und Azubis im Handwerk finden. Mehr zum Thema gibt es in der Kategorie Personal.

Sie möchten Fachkräfte für Ihren Betrieb gewinnen → Mitarbeiter-Gewinnung kennenlernen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk?
<p>Laut KOFA konnten 2025 im Jahresdurchschnitt knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen rechnerisch nicht besetzt werden (97.482). Der ZDH ging im November 2025 von rund 200.000 offenen Stellen im Gesamthandwerk aus. Beide Zahlen messen Unterschiedliches: offene Stellen insgesamt und rechnerisch nicht besetzbare Stellen.</p>
Welche Handwerksberufe sind am stärksten betroffen?
<p>Laut KOFA hat die Bauelektrik die größte Lücke. Weitere Top-Engpassberufe sind Sanitär, Heizung und Klima, Dachdeckerei und Hoch- und Tiefbau. 2025 hatten 59 von 115 Handwerksberufen Engpässe.</p>
Warum gibt es einen Fachkräftemangel im Handwerk?
<p>Die KOFA-Studie nennt demografischen Wandel, wachsenden Bedarf durch Energiewende und Infrastruktur, Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt und regionale Unterschiede. Es sei nicht allein ein Imageproblem, da die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Engpassberufen steigt.</p>
Wird der Fachkräftemangel im Handwerk besser?
<p>Laut KOFA sank die Fachkräftelücke im Handwerk 2025 um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bleibt aber mit knapp 100.000 rechnerisch unbesetzten Stellen hoch. In einzelnen Berufen wie Bauelektrik, Sanitär, Heizung und Klima oder Dachdeckerei steigen die Bewerberzahlen, in anderen wie Metallbau gibt es eine Ausbildungskrise.</p>
Was können kleine Handwerksbetriebe gegen den Fachkräftemangel tun?
<p>Die KOFA-Studie empfiehlt gezieltes Ausbildungsmarketing, bessere Begleitung der Auszubildenden, die Ansprache neuer Zielgruppen wie Frauen, Quereinsteiger oder Beschäftigte aus dem Ausland und Weiterbildung zur Mitarbeiterbindung. Praktisch beginnen Sie mit einer klaren Stellenanzeige und den Kanälen, auf denen Ihre Bewerber unterwegs sind.</p>
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