Wie das Geschäft mit den Leads für Tischlereien und Schreinereien wirklich funktioniert
Man muss verstehen, wie diese Portale ticken. Ein Leadportal verdient sein Geld nicht damit, dass Sie einen Auftrag abschließen, sondern damit, dass es Anfragen möglichst günstig einkauft und so teuer wie möglich an so viele Betriebe wie möglich weiterverkauft. In der Tischlerei heißt das: Sie beraten, messen auf und zeichnen den Einbauschrank nach Maß, und der Kunde vergleicht am Ende mit dem Schranksystem aus dem Möbelhaus.
Früher war das Modell für viele Handwerker noch lukrativ, damals war man oft einer von drei Anbietern. Heute sieht die Welt anders aus:
- Lockangebote: Portale werben oft mit Schnäppchen und Gratis-Versprechen. Das lockt Leute an, die eigentlich kaum Geld ausgeben wollen.
- Mehrfachvergabe: Ein einziger Kontakt wird teilweise an fünf bis zehn Betriebe gleichzeitig verkauft. Wer da nicht innerhalb von zwei Minuten zum Hörer greift, hat schon verloren.
- Markenaufbau für andere: Mit jedem Euro, den Sie dort ausgeben, stärken Sie die Marke des Portals, nicht Ihren eigenen Ruf in der Region.
Wann machen Portale für Tischlereien und Schreinereien trotzdem Sinn?
Trotz aller Kritik gibt es eine Ausnahme: Wenn Sie der Billigste am Markt sind. Wenn Ihr Betrieb darauf ausgelegt ist, Standardmöbel in großen Mengen zu Tiefpreisen durchzuschleusen, kann ein Portal ein guter Kanal sein, denn der Kunde dort sucht meistens genau den Preisvergleich. Wenn Sie im mittleren oder gehobenen Segment arbeiten, als Familienbetrieb Wert auf Qualität legen und individuell beraten, ziehen Sie im Preisvergleich der Portale fast immer den Kürzeren.
Der bessere Weg: Die eigene Region beackern
Die Menschen wollen eigentlich den regionalen Handwerker: jemanden, dessen Wagen sie morgens beim Bäcker sehen und bei dem sie wissen, wo die Werkstatt ist. Wenn Sie eigene Werbung unter Ihrem Firmennamen schalten, hat das klare Vorteile:
- Exklusivität: Die Anfrage landet nur bei Ihnen. Kein Wettrennen mit zehn anderen Betrieben.
- Planbare Kosten: Portale rechnen je nach Branche etwa 8 bis 120 Euro pro Anfrage ab. Eigene, exklusive Anfragen kosten laut A&M über alle Gewerke hinweg zwischen 25 und 200 Euro pro qualifizierter Anfrage. Mehr dazu in der Kosten-Pillar zur Kundengewinnung.
- Vertrauensvorschuss: Der Kunde sieht Ihre Firma, Ihr Logo und Ihr Team, zum Beispiel bei Einbaumöbeln, Innenausbau und Türen nach Maß. Das zahlt auf Ihr „Markenkonto“ ein, und der Kunde will zu Ihnen, nicht nur irgendein Angebot.
Checkliste: Portal oder eigene Werbung?
Überlegen Sie kurz, wo Ihr Betrieb heute steht:
- Sind Sie bei Standardmöbeln Preisführer? (Dann kann ein Portal passen.)
- Bieten Sie Qualität und individuelle Beratung? (Dann ist eigene Werbung Pflicht.)
- Wollen Sie unabhängig sein? (Eigene Werbung macht Sie frei von den Preissteigerungen der Portale.)
- Soll man Ihre Firma in zehn Jahren noch kennen? (Dann investieren Sie in Ihre eigene Marke.)
Fazit
Leadportale haben ihre Berechtigung für „Discount-Handwerker“. Für den klassischen, qualitätsbewussten Fachbetrieb sind sie oft eine teure Sackgasse, die zu viel Zeit im Vertrieb frisst. Wer langfristig wachsen und gute Preise durchsetzen will, muss sich als regionaler Experte positionieren. Das sorgt nicht nur für bessere Kunden, sondern macht Sie auch als Arbeitgeber interessanter. Passende Artikel und Werkzeuge für Ihr Gewerk finden Sie im Branchen-Hub für Tischlereien und Schreinereien.
Rechner: Was kostet ein gewonnener Auftrag über ein Portal und was über eigene Anfragen? Mit dem Rechner „Leadportal oder eigene Anfragen?“ rechnen Sie es mit Ihren eigenen Zahlen nach.